Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Montag, 24. Juni 2019

ATB Ringgleistour 2019 – Chance für den Fahrradtourismus ?

Wo früher Eisenbahnen große Firmen belieferten – schlendern heute tagtäglich Tausende zu Fuß oder mit dem Rad kreisförmig um die Stadt Braunschweig herum. Durch eine grüne Oase, Industriegeschichte zum Anfassen und eine Großstadt im Wandel. Der ATB hat das Projekt auf Einladung der Initiative Braunschweiger Forum erkundet.

 

„Die Ringbahn im Dienst der Industrie“: Das sogenannte westliche Ringgleis war ein Teil der Strecke, die 1886 von der Braunschweigischen Landes-Eisenbahn-Gesellschaft errichtet wurde. Sie bildete gemeinsam mit anderen Strecken rund um die Braunschweiger Innenstadt eine annähernd ringförmige Bahnanlage mit mehreren Stationen wie etwa dem südlichen Hauptbahnhof, Ostbahnhof, Nordbahnhof und Westbahnhof. Die Strecken, sie dienten dem Güterverkehr – viele wichtige Unternehmen entlang der Strecke konnten über die Ringbahn angefahren werden. Über die Jahrzehnte veränderte und verlagerte sich der Materialtransport jedoch, etwa vor allem auf die Autobahnen. So fuhr die Aktivität der Ringbahn allmählich zurück, bis sie in den 1980er Jahren schließlich komplett stillgelegt wurde.

 

Doch eine Initiative erkannte das Potential der einmaligen, historischen Strecke und des außergewöhnlichen Verlaufes um die Stadt herum: Das Braunschweiger Forum. Gegründet im November 1980, finden sich in dem Verein zur Förderung bürgernaher Stadtplanung unzählige Aktive zusammen, die sich als „Bürgerinitiative für alle Fälle“ sehen. Ob die Mitwirkung an der Neukonzeption des Hagenmarktes oder auch die wesentliche Begleitung des Projektes Ringgleis – mit sachkundiger Arbeit beteiligen sich die Bürger an vielfältigsten Themen, darunter am Ringgleis ganz wesentlich etwa Engagierte wie Hans-W. Fechtel und Dr. Arndt Gutzeit.

 

Potentiale der Strecke erkannt

Wo früher Eisenbahnen große Firmen belieferten – schlendern heute tagtäglich Tausende zu Fuß oder mit

Das Braunschweiger Forum hat schon früh das Potential des Ringgleises erkannt und formuliert. Bereits im Jahr 1995 regten sie eine Diskussion um die mögliche Öffentliche Nutzung der Bahntrasse als Alternative zur Veräußerung an Privatanleger an. Es folgten zahlreiche Aktivitäten, Veranstaltungen und Aktionen. Im Jahr 2000 schließlich kaufte die Stadt Braunschweig die ersten Abschnitte der Trasse von der Deutschen Bahn, ein Jahr später wurde mit der Einbindung des Ringgleises in das Programm „Soziale Stadt“ begonnen sowie ein Konzept entwickelt und eine Ausführungsplanung begonnen. 2003 wurde der erste, vier Kilometer lange Abschnitt des Geh- und Radweges fertiggestellt, beginnend am Westbahnhof.

 

Seitdem wächst das Ringgleis Schritt für Schritt. Zählte es zu Beginn des Jahres eine Gesamtlänge von rund 12 Kilometern, soll der Freizeitweg für Fußgänger und Radfahrer entlang der alten Industriestraße nach Fertigstellung Ende des Jahres eine Gesamtlänge von etwa 20 Kilometern erreichen. Und auf einer rund zweistündigen Radtour im Mai dieses Jahres – organisiert von Edgar Wernhardt, ATB-Geschäftsstelle, in Zusammenarbeit mit dem Braunschweiger Forum – wurde einigen Mitgliedern von ATB eindrucksvoll deutlich, welche Perspektiven und Chancen sich mit dem Ringgleisweg erschließen.

 

Die Geschichte der Stadt erlebbar machen

 

Denn: Das Braunschweiger Ringgleis ist so viel mehr als „einfach nur“ ein reizvoll ausgebauter Weg um die Stadt Braunschweig herum: Das historische Ringgleis lässt Industriegeschichte aufleben, ist Historie zum Anfassen. Die Strecke bildet einen grünen Ring – ist ein klimaschutzwirksamer Ring mit hohem Naherholungs- und Freizeitwert. Ob Spielplatz, Skaterpark oder auch Kletter- und Boulderhalle; an die Strecke reihen sich unzählige Möglichkeiten des Erlebnisses und der Vielfalt. Erkundet werden kann auch die wirtschaftliche Geschichte der Löwenstadt – seien es Relikte früherer Großunternehmen, heutige „Hidden Champions“ oder spannende, zukunftsträchtige Vorhaben wie der IT-Campus am Westbahnhof oder der umfassende Umbau des ehemaligen Geländes der Braunschweiger Zeitung an der Hamburger Straße.

 

Das Ringgleis ist schon heute ein Markenzeichen. Für Anlieger, Braunschweigs Bürger und interessierte Gäste der Stadt, die sich für eine Erkundungstour der besonderen Art entscheiden. Das Vorhaben hat schon heute eine Präsenz entwickelt, die dafür sorgt, dass sich an diesem Freiraumring unterschiedlichste Akteure niederlassen. Da kann beim kultigen „Coney Eisland“ im Gebiet des Westbahnhof leckeres Eis oder im Café des Hauses der Kulturen am Nordbahnhof ein Kaffee bei einer kleinen Streckenpause genossen werden. Grundsätzlich lassen sich im Verlauf des Ringgleises nicht nur viele spannende historische Elemente der früheren Ringbahn und generellen Industriegeschichte erkennen und erleben, sondern auch jede Menge Orte mit hohem Freizeit- oder Erholungswert.

 

Chance für den Fahrradtourismus

 

Die Strecke lässt sich derweil nicht nur in vielfältigster Art und Weise erkunden – sondern vor allem auch in Ruhe und Gelassenheit. Die Wege sind nahezu unterbrechungsfrei befahrbar, außerdem sind sie durch den umfassenden Ausbau gut und einfach befahrbar. Ein potentielles Vehikel für den Fahrradtourismus, der dem ATB am Herzen liegt? Auf jeden Fall, finden die Mitglieder, die die Strecke bereits erkundet haben.

 

Uwe Schäfer, Stellv. Bezirksdirektor, Handlungsbevollmächtigter der Öffentlichen Versicherung Braunschweig und ATB-Vorstandsmitglied, erklärt: „Auch dank vieler technischer Neuerungen steigt die Mobilität von Menschen im Alter. Dabei ergibt sich für sie – und natürlich auch für alle anderen Generationen – mit dem Ringgleis die Möglichkeit die Stadt Braunschweig und ihre Geschichte in völliger neuer Form zu erkunden.“ Und er ergänzt: „Die einen erinnert es an die Jugend zurück, den anderen erlaubt es eine Zeitreise in frühere Kapitel der Löwenstadt.“ Das Vorhaben sei dabei nicht nur ein Gewinn für die Bürger der Stadt, sondern auch für alle Menschen und Gäste der Region. „Wann bietet sich schon die Möglichkeit einen Ort auf so außergewöhnlichen Fuß- und Fahrradwegen zu entdecken?“ Es eröffne sich damit eine neue Ausgestaltungsmöglichkeit von Stadttourismus, ist sich Schäfer sicher.

 

„Eine Strecke für jedermann“

 

Das unterschreibt auch Karsten Ziaja, Geschäftsführer vom Hotel Deutsches Haus Braunschweig. „Das Ringgleis ist eine tolle Gelegenheit für Bürger und Besucher. Ich finde es klasse, dass hier Initiativen und Verwaltung Hand in Hand an der Herstellung einer durchgehenden, stadtumlaufenden Fuß- und Radwegeverbindung zur Erlebbarkeit neuer Stadträume arbeiten.“ Das ATB-Vorstandsmitglied erläutert: „Das Braunschweiger Ringgleis hat das Potential für eine echte touristische Attraktion – die vor allem durch seine einfache Befahrbarkeit für jeden zu schaffen ist. Auch ist man von im Grunde jedem Punkt der Strecke bei Bedarf schnell in der Innenstadt, sei es für die Rückkehr ins Hotel, zum Ausklang einer Ausgiebigen Fuß- oder Radtour oder auch zum Shoppen.“

 

Das Braunschweiger Forum hat auf www.ringgleis.de weitere Informationen zum Vorhaben zusammengestellt, die Stadt Braunschweig auf www.braunschweig.de/ringgleis.

 

Falk-Martin Drescher

 

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