Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Freitag, 10. November 2017

ATB Tagesfahrt begeisterte die Teilnehmer !

 

 

 

Zeitreise durch die Epochen des Braunschweiger Landes

 

Die diesjährige Exkursion des Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V. führte uns am 26. Oktober auf eine Zeitreise vom Mauerfall über die Industrialisierung bis zurück ins Mittelalter. Unter Leitung der TourismusRegion BraunschweigerLAND e.V. erkundeten wir in und um Helmstedt, Königslutter und Lucklum faszinierende ZeitOrte unserer Region.

 

„Dies wird keine Vergnügungstour, sondern eine Informationsfahrt“, stellte Edgar Wernhardt nach dem traditionellen Frühstücksbüffet im Vienna House Easy augenzwinkernd fest. Und noch dazu: „Die Sonne wird heute zwar nicht scheinen – aber es wird zumindest nicht regnen.“ Zur Freude der knapp 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollte sich der Leiter der ATB-Geschäftsstelle dabei jedoch gleich zweimal irren: Denn zum einen erwartete uns wie immer eine gleichsam informative wie vergnügliche Jahresexkursion mit dem bewährten Reiseführer Jan-Christoph Ahrens. Und zum anderen zeigte sich an diesem goldenen Herbsttag gar das ein oder andere Mal die Sonne.

 

Auf dem Weg zum ersten Ausflugsziel im komfortablen Reisebus der Firma Mundstock verwies ATB-Vorstand Wieslaw Puzia auf den Umstand, dass es in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen zu feiern gäbe. So handele es sich bei dieser Tour bereits um die fünfte Jahresfahrt des ATB – im nunmehr zehnten Jahr seines Bestehens. Gegründet im Jahr 2007 mit elf Institutionen verzeichnet der Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V. inzwischen 90 Mitglieder. Eine Erfolgsgeschichte, die am 8. November im Steigenberger Parkhotel gemeinsam mit Oberbürgermeister Ulrich Markurth gebührend zelebriert wird. Zudem appellierte Puzia an die Mitglieder, Besuche der ZeitOrte des Braunschweiger Landes als lohnende Möglichkeit zu betrachten, die vielen Multiplikatoren für den Tourismus in unserer Region persönlich kennenzulernen.

 

Um 9.30 Uhr erreichten wir das Zonengrenz-Museum Helmstedt als Auftakt zur Rundfahrt „Grenzenlos“ des gleichnamigen Helmstedter Vereins. Das Museum zeigt die Geschichte der ehemaligen innerdeutschen Grenze am Beispiel des Landkreises Helmstedt anhand zahlreicher Informationstafeln, Modelle und Originalobjekte von Uniformen und Rangabzeichen bis hin zu Waffen und Selbstschussanlagen. Ein beklemmender Eindruck der deutsch-deutschen Teilung im südostniedersächsischen Grenzgebiet zwischen West und Ost, das zuvor bereits die Trennlinie zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Preußen markierte.

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Nach dieser Einstimmung ging es weiter zum nächsten Ziel, dem nur zehn Kilometer entfernten Grenzdenkmal Hötensleben direkt hinter der ehemaligen innerdeutschen Grenze im heutigen Sachsen-Anhalt. Auf einer Fläche von 6,5 ha standen wir inmitten des ehemals 1.400 km langen Grenzstreifens zwischen BRD und DDR mitsamt vollständig erhaltenen Grenzsicherungsanlagen. Zwischen meterhohen Mauern und Zäunen, nach innen gerichteten Fahrzeugsperren, Wachtürmen und Schussfeldern erhielten wir einen authentischen Eindruck, welche Vorkehrungen die DDR-Regierung unternahm, um ihre Bürger am Verlassen des Landes zu hindern.

 

Als letzten ihrer Programmpunkte führte uns die Rundfahrt „Grenzenlos“ zur Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn – der größten und bedeutendsten Grenzübergangsstelle und Nadelöhr zwischen Ost und West. Mehr als 1.000 Mitarbeiter (oftmals Angehörige der Stasi) fertigten hier jährlich rund sieben Millionen Reisende ab. Auf dem riesigen Gelände sind die Gebäude der Pass- und Zollkontrolle, Verhörräume und ein Kommandoturm nahezu vollständig erhalten und mit originaler Ausstattung zu erkunden. In beklemmender Atmosphäre erhielten wir einen Einblick in das alltägliche Hoffen und Bangen der damaligen Reisenden.

 

Anschließend führte uns die Reise ins malerische Königslutter am Elm. Nach einem reichhaltigen Mittagessen im Dom-Café erhielten wir eine Führung durch den frisch

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restaurierten Kaiserdom. Das 1170 von Heinrich dem Löwen errichtete Bauwerk hat mit 75 m Länge und 18 Metern Höhe beeindruckende Ausmaße. Er gilt als Vorstufe zu Heinrichs Braunschweiger Dom und wurde von diesem als Nachfolger des Doms zu Speyer geplant. Im Gegensatz zu vielen anderen mittelalterlichen Bauten ist die Struktur des Kaiserdoms über die Jahrhunderte in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Der Kaiserdom zählt du den wichtigsten Kulturdenkmälern der Romanik und ist ein absolutes Juwel unserer Region.

 

 

Danach kamen wir noch in den Genuss eines Schnupperbesuchs im benachbarten Museum Mechanischer Musikinstrumente. Es erzählt die Geschichte mechanischer Musikinstrumente der vergangenen 250 Jahre – von Spieluhren und Grammophonen über Drehorgeln bis zum automatischen Konzertflügel oder einer Stummfilmorgel, die ein ganzes Orchester ersetzt. Inmitten von 242 antiken Objekten fühlt man sich wie in einem Berliner Salon von 1890 oder im Paris der 1920er Jahre. Jedem Musikfan und Liebhaber antiker Möbel sei ein Besuch dieser einzigartigen Sammlung von internationalem Rang ans Herz gelegt.

 

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich das Rittergut Lucklum, die letzte Station der bisher wohl umfangreichsten Jahresexkursion. Nach einer Kaffeetafel im gemütlichen „CaféGut“ begaben wir uns auf Entdeckungsreise durch das mittelalterliche Anwesen. 1260 erwarb der Deutsche Orden den Komplex und machte ihn zu seinem prachtvollen Hauptsitz mit Herrenhaus samt Rittersaal, eigener Kirche und Park. Meterhohe Mauern aus Elbsandstein, historischer Baumbestand und antike Objekte – der Genius Loci dieser Ritterburg besticht durch seinen unvergleichlich morbiden Charme. Das Rittergut Lucklum ist ein Kulturgut von nationalem Rang, bei dem man 1.000 Jahre deutsche Geschichte auf engstem Raum erleben kann.

 

So endete die fünfte Jahresfahrt des ATB mit einem Highlight eines höchst abwechslungsreichen Programms, das die Messlatte für künftige Exkursionen erneut ein gutes Stück nach oben gesetzt hat. Wir dürfen gespannt sein, wohin uns die TourismusRegion BraunschweigerLAND e.V. im kommenden Jahr führt!

 

Text und Fotos: Stephen Dietl

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