Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Freitag, 20. Mai 2016

Braunschweigs Tourismuswirtschaft gestalten – gemeinsam und auf Augenhöhe“

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 Interview mit dem ATB-Vorstandsvorsitzenden Wieslaw Puzia

Seit 2007 gibt es den Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig, ATB. Seitdem ist die Zahl der Mitglieder auf 86 angewachsen. Wer hinter dem ATB einen exklusiven Lobbyverband des Braunschweiger Hotelgewerbes vermutet, liegt allerdings falsch, die Mitgliederstruktur ist ausgesprochen vielfältig. Neben renommierten Hotels und Gastronomen sind auch Braunschweigs wichtigste Kultureinrichtungen sowie Unternehmen im Freizeitbereich vertreten. Diese „drei Säulen“ des ATB arbeiten hier Hand in Hand zusammen, um das Reiseziel Braunschweig noch attraktiver zu machen – konstruktiv, kollegial und ohne Vorurteile. Hier wird auf Augenhöhe kommuniziert: Kleinkunst trifft auf Spitzenhotel, das junge Startup auf den erfahrenen Marketingprofi. Die Vielfalt im ATB spiegelt sich auch im jüngst neugewählten Vorstand wider: Dieter Werner (OkerTour: Floss-Events und Bootsverleih), Joachim Wrensch (Buchhandlung Graff) sowie Carsten Graf (PSD Bank) verstärken das elfköpfige ATB-Leitungsgremium. Weitere Neuerungen betreffen die ATB-Struktur: Die Arbeit in den themenspezifischen ATB-AGs soll ausgebaut und intensiviert werden, gleichzeitig wird die Anzahl der Vorstandssitzungen reduziert. Die Vorteile schildert Wieslaw Puzia in unserem Interview. Der ATB-Vorstandsvorsitzende erklärt auch, warum der ATB in Braunschweig einzigartig ist und welche Vorteile eine Mitgliedschaft für Hotels, Kultureinrichtungen, Unternehmen und Selbstständige hat.

Guten Tag Herr Puzia, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl als ATB-Vorstandsvorsitzender! Im neu gewählten ATB-Vorstand sitzen Hoteliers neben Buchhändlern, Bankiers neben selbstständigen Unternehmern. Ursprünglich wurde der Vorstand klar vom Hotelgewerbe dominiert. Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen?

Bei der Gründung des ATB im Jahr 2007 waren von 11 Gründungsmitgliedern 7 oder 8 Hoteliers. Der ATB hat aber von vornherein auch Kultureinrichtungen und Kulturschaffende sowie Dienstleister im Freizeitbereich angesprochen. Aus diesen Bereichen konnten wir mehr und mehr Mitglieder gewinnen und das spiegelt sich jetzt auch im Vorstand wider.

Die Anzahl der jährlichen Vorstandssitzungen wird in Zukunft auf vier reduziert, warum?

Wir haben den Sitzungsturnus bewusst reduziert und intensivieren dafür die Arbeit in den themenspezifischen ATB-AGs. Ab jetzt sollen wichtige Fragen von den Fachleuten in den jeweiligen AGs (Arbeitsgruppen) diskutiert werden, so arbeiten alle effektiver. Diese Form der Projektarbeit hat sich bewährt. In der sehr aktiven AG Kultur ist zum Beispiel im letzten Jahr der erste Kulturstadtplan für Braunschweig entstanden. Die jeweiligen AGs repräsentieren die „drei Säulen“ des ATB: Die AG Hotel für das Hotelgewerbe und Gastronomie, die AG Kultur für Kultureinrichtungen sowie Kultur- und Kreativschaffende. Demnächst wird es auch eine AG Marketing geben.

Der ATB ist auf Wachstumskurs, immer mehr Akteure aus unterschiedlichen Bereichen möchten Teil des Netzwerks werden. Was ist das Erfolgsrezept?

Unser Erfolgsrezept ist der faire Umgang miteinander. Wir ziehen alle an einem Strang und wir arbeiten konstruktiv und lösungsorientiert zusammen. Keine der drei Säulen im ATB kommt zu kurz, da haben wir mit dem neuen Vorstand ein klares Zeichen gesetzt. Auch in den AGs wird niemand ausgegrenzt. Hier treffen sich zwar hauptsächlich die jeweiligen Fachleute, aber natürlich können auch Mitglieder aus anderen Bereichen teilnehmen. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn es um themenübergreifende Projekte geht. In diesem Fall findet man sofort Ansprechpartner aus den Bereichen Hotel, Kultur oder Freizeit, und das zeichnet unser Netzwerk aus. Wer Braunschweig im Bereich Tourismus mitgestalten möchte, kompetente Ansprechpartner oder zukünftige Geschäftspartner sucht, ist im ATB genau richtig. Da sind wir in Braunschweig einzigartig.

Welche Vorteile hat eine Mitgliedschaft im ATB?

Ein Großteil der Vereinseinnahmen geht in gezielte Werbemaßnahmen. Wir machen Werbung für Stadt und Region Braunschweig als Tourismusziel, denn von vielen Besuchern in der Stadt profitieren alle ATB-Mitglieder. Im ATB gemeinsam und langfristig für mehr Besucher in Braunschweig zu sorgen, bringt mehr und ist dazu kostengünstiger, als sich die Gäste untereinander abzuwerben. Unsere Mitglieder wissen das und arbeiten genau deswegen so gut zusammen. Gleichzeitig können wir auf diese Weise etwas in Braunschweig bewegen, Dinge ins Rollen bringen und die Stadt mitgestalten. Und das machen wir sehr erfolgreich: Die Übernachtungszahlen in Braunschweig steigen konstant. Das liegt auch an unserer guten Arbeit.

Kultur spielt für den Tourismus eine wichtige Rolle. In diesem Jahr stehen in Braunschweig einige hochkarätige Kulturveranstaltungen an. Welche Rolle spielen sie für den ATB?

Zu den kulturellen Highlights gehören in diesem Jahr zum Beispiel der Lichtparcours, die HAUM-Eröffnung und das Festival Theaterformen. Das sind großartige Events für Braunschweig und die Region, und sie bringen Kulturinteressierte aus ganz Deutschland und dem Ausland in die Stadt. Natürlich unterstützt der ATB diese Veranstaltungen. Die Interessen von Hoteliers, Kulturschaffenden und Freizeitdienstleistern sind hier ganz ähnlich und innerhalb des ATB lassen sich schnell die richtigen Kontakte knüpfen, um solche Events gemeinsam begleiten zu können. Außerdem gehen wir davon aus, dass wir mit diesen hochklassigen Kulturevents in diesem Jahr die Marke von 600.000 Übernachtungen knacken werden.

Im kommenden Jahr feiert der ATB sein zehnjähriges Jubiläum. Worauf sind Sie besonders stolz?

Wir haben vor allem eins geschafft: Der ATB lebt! Er lebt in sich, seine Mitglieder bringen sich aktiv ein. Und er lebt nach außen, seine Arbeit ist präsent und wahrnehmbar. Die Zusammenarbeit der drei Säulen funktioniert sowohl themenspezifisch als auch themenübergreifend. Bei uns zählt die aktive Mitarbeit, das zeichnet den ATB aus. Wir möchten gestalten, und dazu wird jeder gebraucht: Klein und fein genauso wie groß und renommiert. Bei uns reden nicht nur alle Mitglieder auf Augenhöhe – bei uns kommen viele überhaupt erst ins Gespräch miteinander. Dafür bieten wir ein Forum, in das sich jeder mit seinem spezifischen Know-how, seiner Erfahrung und seinen Wünschen einbringen kann. Das zählt im Übrigen nicht nur für die AGs, sondern auch für den Vorstand. Auch hier wird die Arbeit nicht hin und hergeschoben, sondern gemeinsam angepackt.

Herr Puzia, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jan Engelken vom Kulturblog 38.

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