Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Mittwoch, 7. November 2018

Der diesjährige ATB-Tagesausflug ging in den Harz

 Gemeinsam auf den Spuren der Vergangenheit für die Zukunft der Region

 

Am 25. Oktober ging es wieder ins Zeitreiseland: Die diesjährige Informationsfahrt des Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V. führte uns zu den historischen ZeitOrten des traditionsreichen Vorharzes – vom Museum und Besucherbergwerk des Weltkulturerbes Rammelsberg über die majestätische Kaiserpfalz Goslar bis zum urigen Kloster Wöltingerode und seiner kleinen aber überaus feinen Schnapsbrennerei.

 

Nach gewohnt üppigem Frühstück im Vienna House Easy ging es bei goldenem Herbstwetter im Reisebus der Firma Mundstock gen Vorharz. Wieslaw Puzia begrüßte die 25 Reiseteilnehmer mit einem kurzen Rückblick (elf Jahre ATB, inzwischen stolze 98 Mitglieder) und entschuldigte die Abwesenheit von Edgar Wernhardt und Jan-Christoph Ahrens (ZeitOrte). Letzterer sollte an diesem Tag nicht minder sympathisch und kompetent von Sandra Semmler (Allianz für die Region) als Reiseleiterin vertreten werden. Nach rund einer Stunde Fahrtzeit trafen wir auch schon beim südlich von Goslar gelegenen Museum und Besucherbergwerk des Weltkulturerbes Rammelsberg ein.

 

Unter Tage

 

In der opulenten Eingangshalle empfing uns Gerhard Lenz. Der Museumsleiter gab uns eine kurzweilige Einführung in die kulturgeschichtliche und wirtschaftliche Historie sowie die heutige Bedeutung des Bergwerkes als UNESCO-Weltkulturerbe und verwies auf einen bedenkenswerten Umstand: „Wir verzeichnen hier jährlich mehr Besucher aus Hannover oder Frankfurt als aus dem nahegelegenen Braunschweig“. Woran auch immer das liegen mag – mit den Mitgliedern des ATB begrüßte sein Haus die passenden Gäste, um an diesem Umstand erfolgreich etwas zu ändern. Nach einer unterhaltsamen Darstellung des Bergmann-Alltags und einer Kurzführung durch die Erzaufbereitungsanlage durch den wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Martin Wetzel hieß es anschließend „Glück auf!“ oder besser: „Helm auf… und Kopf einziehen!“

 

Aufgeteilt in zwei Gruppen erkundeten wir die nasskalten Gänge und Höhlen des Roeder-Stollens. In meist gebückter Haltung – nach einigen Kopfstößen war schnell klar, dass unsere gelben Schutzhelme tatsächlich mehr als nur einen optischen Zweck erfüllten – folgten wir dem alten Stollensystem zu gewaltigen unterirdischen Wasserrädern aus Holz, errichtet vor 200 Jahren zur Entwässerung der Grube und Förderung der Erze. Über steile Wendeltreppenstufen ging es schließlich wieder ans Tageslicht, wo uns pünktlich zur Mittagszeit im Museumsrestaurant Casino Rammelsberg eine wohlverdiente Stärkung erwartete.

 

Kaiser und Kunstfreund

 

Anschließend brachte uns eine kurze Busfahrt direkt ins benachbarte Goslar. Bereits vom tiefer gelegenen Parkplatz zu Fuße der Kaiserpfalz – neben Bergwerk und Altstadt ebenfalls ein UNESCO-Weltkulturerbe – erschloss sich uns eindrucksvoll die Imposanz des gewaltigen Bauwerks aus dem 11. Jahrhundert. Das Kaiserhaus gilt als größter Profanbau seiner Zeit und diente den Salierkaisern als Aufenthalt. Unter einer Pfalz (mittelhochdeutsch „pfalenze“ = „fürstliche Wohnung“) verstand man die im Früh- und Hochmittelalter erbauten Stützpunkte für reisende Könige.

 

Im Inneren erwartete uns überraschend eine Führung mit kunstgeschichtlichem Schwerpunkt. Denn als wäre der mehr als 750 m2 große Kaisersaal mit seinen 24 riesigen Rundbogenfenstern nicht bereits eindrucksvoll genug, schmücken seine Wände und die hohe Gewölbedecke 68 großflächige Ölgemälde. In den Jahren 1877-1897 von Hermann Wislicenus gemalt, zeigen sie die Geschichte der deutschen Kaiser von Karl dem Großen über Barbarossa bis zu Wilhelm I. und der Reichsgründung 1871. Nach einer Besichtigung der anliegenden Pfalzkapelle St. Ulrich, in deren Sarkophag tatsächlich das Herz Heinrich III. liegt, ging es gut informiert und bestens gelaunt zur dritten und letzten Station der diesjährigen Tagesfahrt.

 

Korn im Kloster

 

Im malerischen Okertal zwischen Goslar und Vienenburg liegt das Klostergut Wöltingerode. 1174 errichtet, diente es jahrhundertelang als Zisterzienserinnen-Kloster und wird heute mit einem außergewöhnlichen Hotel, einer Kirche sowie einer Schnapsbrennerei als Highlight auf dem Harzer Klosterwanderweg genutzt. Nach einer lehrreichen Einführung in die Geschichte des beschaulichen Ortes, ging es auch schon zügig dorthin, wohin der (Wissens-)Durst eine neugierige Reisegruppe unnachgiebig treibt: in die alte Kloster-Brennerei.

 

Seit 1682 wird dort die Spirituosenherstellung praktiziert – damals wie heute zur Erwirtschaftung finanzieller Mittel für den Unterhalt der weitläufigen Klosteranlage. In den mittelalterlichen Gewölben der Brennerei erwartete uns eine Einführung in die Geheimnisse der Spirituosenherstellung, bevor wir uns bei einer ausgiebigen Verköstigung selbst von der Qualität des edlen Kornbrands überzeugten. Darüber hinaus werden in der Manufaktur auch Liköre und inzwischen sogar Gins hergestellt. Abschließend ließen wir uns noch an einer reichhaltig gedeckten Kaffeetafel im Klosterhotel nieder, bevor es – wie immer – mehr als gut gesättigt und mit zahlreichen neuen Eindrücken aus unserer spannenden Region zurück nach Braunschweig ging.

 

Text und Fotos: Stephen Dietl

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