Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Donnerstag, 27. November 2014

Eine wahrhaft stürmische Zeitreise des ATB in das Zeitreiseland !

    Morgens beim opulenten Frühstück im schönen Steigenberger Parkhotel Braunschweig ahnten unsere Reiseteilnehmer noch nicht, was ihnen auf der diesjährigen Fahrt alles bevorstand. Um 10 Uhr ging die Fahrt bei Sturm und Regen los.

Das erste Ziel war das paläon in Schöningen, Fundort und Heimat der berühmten, einmaligen Schöninger Speere. Das paläon umfasst eine erlebnisreiche Dauerausstellung, ein gläsernes Labor, ein interaktives Besucherlabor und eine große Parkanlage. Die geologische Besonderheit des Fundortes in Schöningen gewährt auf einzigartige Weise Einblicke in die Klimaentwicklung einer gesamten Warmzeit zwischen zwei Eiszeiten. Mit diesen Themen wird eine Brücke zur heutigen Zeit geschlagen.

Dort angekommen, entfaltete sich das Orkantief gerade zu einem ausgewachsenen Sturm, der den aus dem warmen Bus entsteigenden Reisemitgliedern mächtig um die Ohren pfiff. Das Pfeifen empfing uns aber auch im Museum selbst. Erst vermuteten wir einen akustischen Beitrag eines Steinzeitszenarios, wurden jedoch sofort darüber aufgeklärt, dass das Pfeifen vom Sturm verursacht wurde.

Der Empfang von Herrn Thomas Neubert (Vertrieb) und von Geschäftsführer Herrn Dr. Florian Westphal war überaus herzlich. Dr. Westphal führte uns mit großer Leidenschaft durch das spektakuläre Gebäude und erzählte lebendige Geschichten über die Fundstelle der sensationellen Schöninger Speere. Der Blick zurück in die Altsteinzeit wurde den Teilnehmern beim Ausblick aus den Fenstern plötzlich sehr real. Man schaut direkt auf einen der bedeutendsten archäologischen Fundplätze der Welt im unmittelbar angrenzenden riesigen Braunkohletagebau.

Im Anschluss durfte jeder sein Geschick auf dem Außengelände mit Repliken steinzeitlicher Speere und Bögen ausprobieren. Einige ATB‘ler wollten es trotz des stürmischen Wetters wissen und testeten ihr Geschick an diesen außergewöhnlichen steinzeitlichen Jagdwaffen. Die jeweiligen Ausführungen brachten doch den einen oder anderen Zuschauer zum Schmunzeln. Das trug natürlich zur guten Laune in der Gruppe bei.

Weiter ging die Reise mit Till Eulenspiegel an Bord. Der erzählte uns so manchen Streich, mit dem er sich an den Bürgern vieler Städte schadlos gehalten hat. Aber auch sein famoses Wissen über seine Heimatregion, durch die er uns zu der Werlaburg führte, trug zu „Kurtzweyl“ und gelöster Stimmung im Bus bei.

Auf dem Gelände der Werlaburg angekommen, erwartete uns ein durchfrorener Gastgeber, dem offensichtlich das stürmische Wetter bereits zu schaffen gemacht hatte. Dementsprechend hielt sich die Bereitschaft der Reisenden, den gemütlichen Bus zu verlassenen, sehr in Grenzen. Das war unserem Referenten, Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde, gar nicht so unrecht. Kurzerhand stieg er in den warmen Bus und referierte spannend und mit großem Elan über die Welt vor tausend Jahren auf der Werla. Die Zeit um 900 wurde von den meisten Zeitgenossen als eine Epoche der Krisen und des Zerfalls empfunden. Regionale Machtgruppen stritten miteinander um die regionale Vorherrschaft. Im Norden bedrohten Überfälle der Wikinger Siedlungen und Klöster, von Osten und Süden drangen plündernde Reiterkrieger aus dem heutigen ungarischen Raum bis in den Norden und verbreiteten alljährlich Angst und Schrecken.

Eine der mächtigsten damaligen Sippen der neuen Elite waren die Liudolfinger, die im ausgehenden 9. Jahrhundert den Herzog der Sachsen stellten. Mit Heinrich I. erwuchs aus ihnen die erste „deutsche“ Königsdynastie. Als durch ungarische Reiterkrieger erneut das Land nördlich des Harzes verwüstet wurde, hielt sich Heinrich I. im Schutz der Werla auf. Es gelang den Sachsen, einen ungarischen Anführer gefangen zu nehmen, der vor den König geführt wurde. Im Austausch mit der Geisel und durch zusätzliche Zahlung eines jährlichen Tributs konnte Heinrich einen neunjährigen Frieden aushandeln, den er geschickt zum Ausbau eigener, den Ungarn gewachsenen Reitereinheiten nutzte. Als die Ungarn nach Ablauf des Vertrages erneut angriffen, konnten die Sachsen sie vernichtend an der Unstrut schlagen. Damit war die erste Phase der Konsolidierung der liudolfingischen Königsherrschaft abgeschlossen und das glanzvolle 10. Jahrhundert eingeläutet. Zu diesem Zeitpunkt war die königliche Pfalz Werla eine der größten befestigten Siedlungen im Norden Europas.

Nach diesem, die blühende Phantasie anregenden Einblick von Dr. Geschwinde in die frühmittelalterliche Geschichte vor Ort, holte uns die Gegenwart mit dem Satz „…und jetzt trotzen wir Wind und Wetter und besichtigen das Areal!“ wieder ein. Da half auch kein Murren. Nach einer kurzen abenteuerlichen Busfahrt auf dem Gelände kamen wir näher an das wiederaufgebaute Westtor, stiegen alle aus und ließen uns den Sturm um die Nase wehen. Herr Geschwinde zeigte jedoch nach kurzer Zeit Erbarmen und gab das Signal für eine Pause mit heißem Kaffee und Kuchen im Turm des Westtores. Aber auch diese Pause nutzte er, um von oben aus dem Turm den Gästen das weitläufige Areal der Werla näher zu erklären. Danach ging es weiter auf dem Gelände, die Gruppe der Wetterfesten hatte sich jedoch merklich gelichtet. Der eine oder andere schlich in den warmen Bus, um dem wahrlichen „Schietwetter“ draußen zu entgehen.

Nach der Verabschiedung von Herrn Dr. Geschwinde regte unser Vorstandsmitglied Uwe Schäfer spontan an, das wir im nächsten Hochsommer hier doch einen ATB-Grillabend durchführen sollten. Diese Vorstellung wärmte wohl jeden, denn die Idee wurde mit großer Begeisterung angenommen.

Nach einer halbstündigen Fahrt auf der A 391, die unser Vorsitzender Wieslaw Puzia verkürzte, in dem er Dankesworte an die Sponsoren und Organisatoren richtete, erreichten wir Braunschweig und  erfreuten uns auf Einladung  unseres stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Smeulders über einen kleinen „Absacker“  im Steigenberger Parkhotel Braunschweig. Eine stürmische, packende Zeitreise durch unsere Region, das Braunschweiger Land, durch die uns die Crew von Firma Mundstock sicher chauffierte, ging damit gemütlich zu Ende.

Edgar Wernhardt

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