Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Freitag, 14. September 2018

Gemeinsam am Ruder des ATB

Wie gestalten wir den ATB der Zukunft? Unter diesem Motto lud der Vorstand am 28. August ausgewählte Mitglieder zu einem außerordentlichen Vereinstreffen. Im Rahmen einer spätsommerlichen Floßfahrt auf der Oker unternahm man in entspannter Atmosphäre und auf Augenhöhe eine Bestandsaufnahme der zurückliegenden zehn Jahre und diskutierte, wie der ATB die Zukunft Braunschweigs noch erfolgreicher gestalten kann und wo Potential zur Verbesserung besteht – auch vereinsintern.

 

„Dem heutigen Treffen liegt die Idee zugrunde, eine offene Kommunikationsrunde zu veranstalten und dabei konstruktive Anregungen für das kommende Strategie-Meeting des Vorstands einzuholen“, fasste Jost Smeulders bei seiner Begrüßung der 20 anwesenden Mitglieder die Idee hinter dem ungewöhnlichen Ausflug zusammen. Zwar habe der Vorstand in kleinerem Rahmen regelmäßig Kontakt zu einzelnen Mitgliedern, dennoch sei er nicht immer auf dem aktuellsten Stand. Zudem bedürfe es auch öfter mal neuen Inputs von außerhalb. Die Auswahl der Anwesenden sei gezielt mit Blick auf Bereitschaft zu konstruktiver Kritik und Mut zu Offenheit getroffen worden.

 

Edgar Wernhardt, Leiter der ATB-Geschäftsstelle bei der Braunschweig Stadtmarketing GmbH, ergänzte: „Seit rund anderthalb Jahren, insbesondere nach der Feier des zehnjährigen Jubiläums, beschäftigt sich der Vorstand verstärkt mit der Zukunft des ATB.“

Dabei sei gemeinsam mit Dieter Werner von OkerTour die Idee entstanden, den bisherigen Zusammenkünften einmal einen anderen Rahmen zu geben. „Vielleicht erhalten wir auf diese Weise neue Impulse.“ Man wolle also zu Speis und Trank auf der Oker in Erfahrung bringen: „Wie finden Sie den ATB, was haben Sie bis jetzt vom ATB gehabt, wie sehen Sie die Zukunft des ATB, und wollen Sie sich aktiver einbringen?“ Er habe zuvor bereits in Einzelgesprächen festgestellt, dass es viele gute Ideen gäbe. „Diese Ideen wollen wir heute sammeln.“

 

Abschließend verwies Wernhardt noch auf sein Ausscheiden aus der Braunschweig Stadtmarketing GmbH in zwei Jahren und damit einhergehend auf das Ende seiner Tätigkeit für die Geschäftsstelle des ATB. Mit seinem Ausscheiden fände voraussichtlich auch ein Generationenwechsel im Vorstand statt. Er begründete die personelle Zusammensetzung der Floßfahrt daher auch mit dem Gedanken, gezielt aktive Mitglieder sowie die jüngere Generation stärker in die Entwicklung des ATB einzubeziehen. Gemeinsam mit Nina Bierwirth moderierte er anschließend die Diskussionsrunde.

 

Deren Auftakt machte Matthias Harlfinger vom Hotel Fürstenhof und gab dabei zugleich auch das Thema vor, welches sich als Herzensangelegenheit fast aller Anwesenden herausstellen sollte: Kommunikation und Vernetzung innerhalb des ATB, sowohl untereinander als auch zwischen Vorstand und Mitgliedern. „Mir fehlt ein wenig die Kommunikation“, so Harlfinger. Es gäbe zwar die Treffen der AGs sowie die Tagesfahrt im Herbst, aber das sei letztlich zu wenig. „Wir bekommen als Mitglieder kaum mit, was im Vorstand läuft. Was wird aktuell diskutiert, was sind für Themen da?“ Als erste Maßnahme schlug er vor, die Sitzungsprotokolle allen Mitgliedern zur Verfügung zu stellen, woraufhin Edgar Wernhardt anmerkte, diese könnten bereits jetzt über die Website angefordert werden – was aber bis dato noch nie getan wurde und daher vielleicht ebenfalls besser kommuniziert werden müsse.

 

Der Kritik an mangelnder Kommunikation – sowohl vertikal als auch horizontal – schlossen sich auch die beiden folgenden Redner Annemarie Bastian (Theater Fadenschein) und Henning Lange (Kunst.Kultur.Reisen an). Zudem seien mehr Informationen aus anderen AGs sowie regelmäßigere Gesamttreffen wünschenswert. Einen interessanten Ansatz lieferte diesbezüglich Thomas Neubert (Paläon): Aus der Schweiz kenne und schätze er die Tradition des „Apéro“, eines geselligen Zusammenkommens nach Feierabend ohne feste Agenda. Dabei entstünden dank lockerer Atmosphäre häufig Synergien und Ideen, zudem fördere es Kommunikation und Zusammenhalt. Mit den Hoteliers habe man bereits passende Häuser als potentielle Treffpunkte in den eigenen Reihen. Auch ein ATB-internes Sport- oder Freizeit-Event könne die Bindung der Mitglieder untereinander stärken, so Friederike Harlfinger (Hotel Fürstenhof). Und als eine relativ einfach umzusetzende Sofortmaßnahme zur Förderung der vereinsinternen Kommunikation schlug Stephen Dietl (Die Stadtfinder/Kulturblog38) die Einrichtung eines Mitglieder-Forums auf der Website vor.

 

Anschließend fiel die Diskussion auf ein weiteres Thema, das für viele Mitglieder – insbesondere die Kultur- und Freizeitakteure – augenscheinlich hohe Priorität besitzt: Die Einrichtung einer Kulturkarte, vorzugsweise in Verbindung mit dem ÖPNV. „In vielen großen Städten gibt es eine Kulturkarte“, so Neubert. „Die Hoteliers können ihren Gästen etwas Schönes mitgeben, die Stadt besitzt ein ‚One-size-fits-all’-Produkt, also viele Leistungen unter einer Karte, und die kleineren Anbieter erhalten zusätzliche Promotionskanäle für ihr Angebot.“ Das Thema sei auch beim Stadtmarketing schon häufig diskutiert worden, so Bierwirth. Allerdings sei eine solche Karte eben nur mit dem ÖPNV wirklich attraktiv, vorzugsweise regional, und diesbezüglich habe sich die Braunschweiger Verkehrs AG als schwieriger Verhandlungspartner erwiesen. BSM lasse derzeit jedoch ein Tourismuskonzept erstellen, bei dem auch dieses Thema erneut eingeschätzt werde. „Es braucht einen sichtbaren Mehrwert für alle Beteiligten, und das ist schwierig“, fasste Jan-Christoph Ahrens (ZeitOrte) die Problematik zusammen.

 

Das jüngste Mitglied, Dr. Ulf Hilger in Vertretung des Kulturinstituts, lobte das erfolgreiche Engagement sowie das große Potential des ATB. Zugleich wünschte er sich mehr gemeinsame Projekte mit dem Kulturinstitut für bessere Sichtbarkeit beider Partner: „Es wäre schön, wenn sich der ATB gemeinsam mit dem Kulturinstitut mit eigenen Projekten in der Öffentlichkeit profiliert, auch über die Stadtgrenzen hinaus“. Zu diesem Zweck könne eine Arbeitsgruppe einrichtet werden. „Damit man Außenstehenden irgendwann nicht mehr erklären muss, was der ATB ist.“

 

Stärkere Kommunikation nach außen als unverzichtbare Ergänzung zu effektiveren Kommunikationsstrukturen innerhalb des Vereins – auch das also ein Thema auf der sich dynamisch entwickelnden Agenda des Abends. Dabei wurde von einigen Mitgliedern nicht zuletzt auch der Mehrwert der Programmbeilage in Frage gestellt. Man solle die entsprechenden Mittel projektspezifischer und zielgerichteter nutzen, argumentierte beispielsweise Katharina Hohnsbehn vom Staatstheater: „Wir können nur als Gruppe stark sein, besonders im Außenmarketing. Ich glaube, da bleiben im Moment noch Ressourcen ungenutzt.“ Woraufhin Edgar Wernhardt als Vertreter der Fürsprecher der Programmbeilage auf ihre enorme Reichweite und hohe Zielgruppenqualität bei relativ geringem Aufwand verwies. Der Nutzen für Tourismus und Außendarstellung sei nicht zu unterschätzen.

 

Das war nur ein Teil der Themen, die an diesem Abend auf der Oker diskutiert wurden. Ohne Scheuklappen, offen, kontrovers, dabei jedoch immer konstruktiv und freundschaftlich auf Augenhöhe – vereinsinterne Kommunikation in Bestform als Erfolgsgarant, und die Floßfahrt somit bereits eine Erfüllung dessen, was sich viele Mitglieder wohl am meisten vom ATB der Zukunft wünschen. „Wenn diese Runde gelingt und ein Interesse vorhanden ist, machen wir das ab jetzt regelmäßig und mit wechselndem Personenkreis, damit jeder mal zu Wort kommt“, so Edgar Wernhardt zu Beginn in seinem Grußwort. Die Antwort der Mitglieder dürfte eindeutig ausfallen.

 

– Stephen Dietl

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