Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Dienstag, 30. April 2019

Mit dem ATB-Mundstock Bus auf die Rennpiste

 

 

 

 

 

 

ATB-Tagesausflug 2019 zur Motorsport Arena Oschersleben

 

Die diesjährige Informationsfahrt des Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V. war gleich in zweierlei Hinsicht ein Novum: Zum einen bildete sie erstmals keinen herbstlichen Jahresabschluss, sondern einen frühlingshaften Jahresauftakt. Und zum anderen begaben wir uns nicht wie üblich auf eine Reise über mehrere Etappen, sondern verweilten ganztägig am selben Ort. Das machte den Ausflug jedoch nicht weniger abwechslungsreich, denn es ging im wahrsten Sinn des Wortes rund: Mit der Motorsport Arena in Oschersleben begrüßte der ATB sein neustes und zugleich östlichstes Mitglied. Dank ihr bietet der Tourismus im Braunschweiger Land nun auch Motorsport-Fans ein spannendes Ausflugsziel.

 

Der 9. April begann mit einem reichhaltigen Frühstück im bewährten Vienna House Easy, bevor es im Reisebus der Firma Mundstock in Richtung Osten ging. ATB-Vorstand Wieslaw Puzia begrüßte die 40 Reisenden zur „sechsten Reise ins Zeitreiseland“ und drückte seine Freude darüber aus, mit der Motorsport Arena Oschersleben das erste Vereinsmitglied in Sachsen-Anhalt begrüßen zu dürfen. Zugleich habe man damit in 2019 nun auch die Zahl von 100 Mitgliedern überschritten. Große Erwartungen knüpfte er an die Smartphone-App des ATB, die auf der Mitgliederversammlung am 10. Mai vorgestellt werde.

 

Die nördlichste Rennstrecke Deutschlands

 

Nach weniger als einer Stunde Fahrtzeit hatten wir die Motorsport Arena im auf halber Strecke zwischen Helmstedt und Magdeburg gelegenen Oschersleben an der Bode erreicht. Dort begrüßte uns Ralph „Bohni“ Bohnhorst, Geschäftsführer der Anlage, der dank einer langjährigen Freundschaft mit Edgar Wernhardt für den ATB begeistert werden konnte. Er führte uns sogleich in eine über dem großen Boxengebäude gelegene VIP Lounge, wo wir zu belegten Brötchen nicht nur einen spektakulären Blick auf Rennstrecke und Boxengasse genossen, sondern von Mitarbeiterin Alexandra Werner auch eine kurze Einführung in die nördlichste und zugleich dritte permanente Rennstrecke Deutschlands (nach Nürburgring und Hockenheimring) erhielten.

 

So nehme die knapp 3,7 km lange Rennstrecke im deutschen Motorsport eine wichtige Rolle ein, wie man an der Anwesenheit der ADAC GT Masters, dem Porsche Sports Cup oder auch diversen Motorrad-Supersportlern erkennen kann. Doch sowas sei eher Kür als Pflicht, denn derlei Events sind extrem teuer und wirtschaftlich kaum rentabel. Das Kerngeschäft der Motorsport Arena Oschersleben GmbH läge daher bei ambitionierten Privatkunden: An rund 100 Tagen im Jahr werden Motorrad-Trainings und Lizenz-Lehrgänge angeboten. Für Hoteliers besonders interessant: Die Anlage ist grundsätzlich sogar Formel-1-tauglich. Allerdings erfüllt Oschersleben die Voraussetzungen für die hohe Zahl der erforderlichen Übernachtungsplätze bei solch einem Großereignis (noch?) nicht.

 

Exklusiver Blick hinter die Kulissen des Motorsports

 

Anschließend wurde uns die seltene Ehre zu Teil, vom professionellen GT-Fahrer Christian Engelhardt persönlich durch die Box seines Rennstalls geführt zu werden und den Mechanikern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen – inmitten des freien Trainings. Ob sie von unserer Anwesenheit genervt waren? Ganz Vollprofis ließen sie sich jedenfalls nichts anmerken. Engelhardt erzählte währenddessen von den Herausforderungen des Motorsports an Mensch und Maschine, öffnete uns die Türen seines Lamborghini und reichte sogar dessen Lenkrad herum – mehr Knöpfte und Schalter findet man sonst nur in einem Flugzeug.

 

Als nächstes ging es ins Medical Center. Mit ihm besitzt die Motorsport Arena ihr eigenes Krankenhaus auf dem Gelände. Bei größeren Ereignissen verrichten hier bis zu 20 Ärzte und 40 Sanitäter ihren Dienst, behandelt werden jährlich rund 1.000 Patienten: Neben schweren aber seltenen Renn-Unfällen hauptsächlich die verstauchten Handgelenke und gebrochenen Schlüsselbeine übereifriger Motorrad-Amateure. Dazu die handelsüblichen Alltagsverletzungen bei Musik-Veranstaltungen und Fan-Treffs, die ebenfalls zum Portfolio der Anlage gehören. „Wir haben hier volles Rohr zu tun“, so Ralph Bohnhorst verschmitzt lächelnd.

 

Nach einem kurzen Umweg über das Dach des Towers mit spektakulärem Ausblick auf das gesamte Areal bei strahlendem Sonnenschein durften wir anschließend das Race Control betreten, die Kommando-Zentrale einer jeden Rennstrecke. Über unzählige Monitore wird hier nonstop das Geschehen auf und abseits des Asphalts kontrolliert und per Funk das Rennen auf der Piste koordiniert. Glücklicher Zufall für uns, wenn auch nicht für den Fahrer: Just während unserer Anwesenheit schleuderte ein Bolide spektakulär ins Kiesbett, eine Safety-Car-Phase musste ausgerufen und das Gefährt auf den Grünstreifen gezogen werden. Keine weiteren Schäden für Fahrer und Gefährt, aber ein einzigartiger Einblick für uns in die aufregende Arbeit hinter den Kulissen des Motorsports.

 

Der Rekordhalter

 

Abschließend – es war bereits später Nachmittag – ging es zu Kaffee und Kuchen ins Restaurant der Sky Lounge des 4-Sterne-Hotels der Anlage. Hier begrüßte uns der Oscherslebener Bürgermeister Benjamin Kanngießer. Er gab uns eine kurze Einführung in die Historie sowie aktuelle Zahlen und Fakten der 20.000-Einwohner-Stadt und war sichtlich über unseren Besuch erfreut: „Oschersleben kann sehr davon profitieren, im Braunschweiger Land Erwähnung zu finden und eine Empfehlung für Tagesausflüge zu werden.“ Natürlich habe so eine Rennstrecke auch ihre Nachteile – allen voran der Lärm, der bei entsprechenden Windverhältnissen bis weit in die Stadt getragen werde. Dennoch überwögen die Vorteile: Mit rund 100 Arbeitnehmern ist sie nicht nur ein großer Arbeitgeber für die Kleinstadt, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Tourismus und Konsum ankurbelt. 400.000 Besucher der Arena in 2018 sprechen für sich.

 

Zu guter Letzt ließ es sich unser Gastgeber Ralph Bohnhorst nicht nehmen, auch noch ein wenig aus seiner eigenen, teils filmreifen Vita zu erzählen. Denn „Bohni“ ist nicht nur erfolgreicher Geschäftsführer, sondern selbst ein erfahrenes Motorsport-Urgestein und obendrein Rekord-Halter: So hat er mit einem Hightech-Gefährt Marke Eigenbau im vergangenen Jahr auf dem Salzsee im amerikanischen Utah mit 400 km/h den Weltrekord für Motorradgespanne eingeholt – diesen Sommer sollen dann sogar noch 500 km/h geknackt werden. Mit einer Dia-Show teilte er die Erinnerungen seiner faszinierenden Reise mit uns, bevor es um viele spannende Eindrücke reicher zurück nach Braunschweig ging.

 

Text und Fotos: Stephen Dietl

// Zurück