Arbeitsausschuss Tourismus Braunschweig e.V.
Mittwoch, 26. Februar 2014

„Wie wird eigentlich Radio gemacht?“

Am 26. Februar 2014 versammelten sich rund 25 Mitglieder des ATB im Foyer des Kultur- und Kommunikationszentrums Brunsviga in der Karlstraße 35, um sich über den Veranstaltungsort und den dort ansässigen Radio Okerwelle e. V. zu informieren.

Um die anschließende Führung individueller gestalten zu können, werden die Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt, die Zugehörigkeit wird mittels eines ausgeteilten gelben oder blauen Loses ermittelt. Axel Uhde, Geschäftsführer Radio Okerwelle e. V., und Uwe Flake, Geschäftsführer Brunsviga, empfangen ihre Gäste zunächst gemeinsam mit einleitenden Worten, bevor sie beide Gruppen im Wechsel durch ihre Bereiche führen. Die lockere und sympathische Art der beiden macht schnell deutlich: Das Ganze wird nicht nur interessant, sondern auch äußerst unterhaltsam.

Bis 1981 verbarg sich hinter den roten Backsteinmauern die Konservenfabrik Brunsviga, noch Jahre nach ihrer Schließung trudelten bei Uwe Flake beanstandete Büchsen zur Reklamation ein. Seit Mitte der neunziger Jahre steht das Gebäude so, wie es sich heute mit seinen circa 2.000 Quadratmetern präsentiert, dazwischen befinden sich wilde Jahre, geprägt von Neuordnungen in der Zusammensetzung der Nutzung und Teilabrissen. Architektonisch ist die ehemalige Fabrik immer noch zu erkennen, bei der Renovierung wurde jedoch viel Wert auf eine freundlichere Atmosphäre gelegt: So musste die eine oder andere Wand der Lichtdurchflutungsmaßnahme weichen. In seiner Nutzung erweist sich die Brunsviga als Allzweckwaffe. Sie beherbergt nicht nur ein Kinderhaus sowie mehrere Räumlichkeiten für Kulturveranstaltungen vielfältiger Art, sondern auch die Musikschule „Musikuß“ und einen eigenen Gastronomiebereich. Darüber hinaus können Räume unterschiedlicher Größe von Unternehmen, Vereinen und Privatpersonen für Feiern, Tagungen und sonstige Ereignisse gemietet werden. Flake liegt dabei am Herzen, dass dies stets zu einem Preis geschieht, der für jeden erschwinglich ist. Auch die Zusammensetzung des Publikums habe sich in den letzten Jahren geändert, erzählt Uhde. Die rund 150.000 Gäste jedes Jahr seien durchschnittlich 30 bis 70 Jahre alt und nutzten das Programm gerne ergänzend zu ihrem Abo des Staatstheaters.

ATB_022614_15„Was ist Radio Okerwelle eigentlich?“, fragt Axel Uhde zu Beginn seiner Führung durch die Räumlichkeiten des Radiosenders in die Runde. „Die machen den besten Livebericht aus dem Eintracht-Stadion“, kommt es aus den Reihen der Teilnehmer. Uhde muss schmunzeln, sein blau-gelbes Herz schlägt ein wenig schneller (wir erinnern uns an die Lose), und er erklärt, welche Position der Sender im Potpourri der Medienlandschaft einnimmt. Radio Okerwelle beschäftige sich mit regionalen Themen, die für die Bürger der Löwenstadt von Interesse sind, jedoch zu lokal, um beispielsweise von der Redaktion des Norddeutschen Rundfunks aufgenommen zu werden. Darüber hinaus könnten hier Themen Öffentlichkeit finden, die in kommerziell geführten Medienanstalten zu sogenannten „Abschaltern“ führen. Mit einem Bericht über einen Verein, der Eltern verstorbener Kinder Raum für Rat und Austausch schafft, ließe sich eben keine Coca Cola verkaufen, so Uhde.

Im professionell ausgestatten Studio demonstriert Uhde die Technik, nämlich wie eine Sendung mit Anmoderation, Beitrag, Jingle und Co. am Pult gefahren wird. Anschließend bittet er die Teilnehmer, selbst vor das Mikrofon zu treten und sich vorzustellen. Ohne Scheu finden sich drei Freiwillige und sie machen ihre Aufgabe gut. Zu gut, denn gerne hätte Uhde demonstriert, was normalerweise in solchen Fällen schief läuft. Dennoch gelingt es ihm, mittels ein paar gekonnter Handgriffe im digitalen Schnittprogramm zu zeigen, wie einfach man aufgenommene O-Töne manipulieren kann. Im Zuge dessen spricht er über die Vermittlung von Medienkompetenz an Kinder und Jugendliche. Für ihn ist es wichtig, dass sie einschätzen können, warum ihr Gegenüber ihnen genau diese Information zukommen lässt, welches Ziel es damit verfolgt. Die Einhaltung einer journalistischen Ethik sei unabdingbar; es gelte, die Dinge in ihrem Wesen zu erfassen und nichts zu verfälschen. Wie die Brunsviga ist auch Radio Okerwelle Plattform für Nachwuchskünstler, die sich mit ihrer Musik hier präsentieren können.

Fazit: Die Brunsviga ist ein Ort, an dem mit viel Herz veranstaltet und kommuniziert wird. Ein Ort für die Bürger von Braunschweig, den sie mitgestalten können und der sich nicht nur an kommerziellen Zielen orientiert. Professionelle Künstler und Laien, Haupt- und Ehrenamtliche arbeiten hier unter einem Dach und Hand in Hand. Ein Ort, an dem sich insbesondere Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene ausprobieren dürfen, ohne den Leistungsdruck im Nacken sitzen zu haben. Radio Okerwelle passt ideal in dieses Konzept. Es beschäftigt sich mit regionalen Belangen und schafft eine bürgerliche Öffentlichkeit. Die Führungen durch die Räumlichkeiten bieten einiges an Gesprächsstoff. So sitzen die interessierten Teilnehmer im Anschluss noch mit Uhde und Flake bei Suppe und Getränk zusammen und diskutieren über das kulturelle Gestern und Heute in Braunschweig.

Fotos: Braunschweig Stadtmarketing GmbH

// Zurück